Freitag, 24. Januar 2020

Wochenbettdrepession und Klinikaufenthalt (mit Kind)

Fast 3,5 Jahre ist es her, dass Mini das Licht der Welt erblickt hat. Ich war während der Schwangerschaft voller wechselhafter Gefühle. Dies lag nicht nur an meinem sich verändernden Körper, der ständigen Übelkeit und den anderen schwangerschaftsbedingten Beschwerden, sondern auch an der instabilen Beziehung zu meinem Ex-Partner. Hormongeschwängert wie ich war, wollte ich heiraten oder zumindest alle möglichen Verträge abschliessen, um für Mini und mich möglichst viel Sicherheit zu haben. Mein Ex wollte das alles nicht und so stritten wir viel, was mich sehr stresste.

In dieser schwierigen Situation war es - rückblickend betrachtet - vermutlich auch nicht verwunderlich, dass ich a) eine richtig schlimme Geburt hatte (Notkaiserschnitt mit Vollnarkose nach 3 Tagen Wehen und nicht-schlafen) und b) danach in eine tiefe Wochenbettdepression fiel.

Wie es bei vielen anderen Mamas auch ist, konnte ich nach der anstrengenden und traumatisierenden Geburtserfahrung nicht schlafen. Da ich vor vielen Jahren bereits einmal ein Burnout hatte, kamen aufgrund der Übermüdung und Erschöpfung Ängste in mir hoch, die meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden liessen.

Wochenbettdepression: Mutter-Kind-Station

Statt eines Babyblues suchte mich eine üble Wochenbettdepression heim, die mich zusammen mit der Schlaflosigkeit, meinen Ängsten und Schuldgefühlen meinem kleinen Baby gegenüber, zum Zombie machte. Mein Ex, der in der Schwangerschaft noch so Dinge gesagt hatte, wie "Ich glaub nicht, dass ich mit einem Baby so viel anfangen kann" und "das Kind geben wir dann möglichst schnell in ein Internat" schwenkte, sobald er Mini das erste Mal im Arm gehalten hatte, ins totale Gegenteil um. Nun hörte ich Dinge wie: "Du musst nur Milch geben, alles andere übernehme ich" und, dass ich Mini mindestens 4 Wochen lang stillen müsse, weil er auch als Baby 4 Wochen lang gestillt worden war. Dies hiess, dass ich keine Antidepressiva nehmen konnte, die ich vor der Schwangerschaft viele Jahre eingenommen hatte.

Mir ging es so schlecht, dass die Ärzte beschlossen, mir alle paar Nächte Nachts zum Schlafen ein Benzo zu geben. Auflage war, dass ich bis 12 Stunden nach der Benzo-Einnahme die Muttermilch wegschütten sollte, damit Mini davon nichts abbekam. Aufstehen musste ich natürlich trotzdem, denn nach 3 bis 4 Stunden Schlaf musste ich Milch abpumpen, nur um sie dann wegzuschmeissen. Mini bekam in der Zeit einen Milchschoppen aus Pulvermilch.

Insgesamt zwei Wochen quälte ich mich mit der Depression herum, bevor ich entschloss, dass ich mit Mini auf eine Mutter-Kind-Station gehen wollte. Und Gott sei Dank wurde ich auf der Psychotherapiestation C0 der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) aufgenommen. 2 Plätze gibt es dort für frischgebackene Mütter mit Babys (bis 12 Monate). Ansonsten tummelten sich auf der Station vor allem Depressive und Borderliner.

Aber das tangierte mich nur peripher. Ich steckte die wenige verbliebene Kraft in meinen kleinen süssen Babyboy. Ich wickelte ihn, ich trug ihn herum, wenn er schrie, ich stillte ihn, ich gab ihm Pulvermilch und desinfizierte die Schoppenflasche … Wenn er schlief, versuchte ich irgendwie wieder zu Kräften zu kommen. D.h. ich lag auf dem Bett und versuchte mich zu entspannen.

In der Mittagspause nahmen die Betreuerinnen uns depressiven Müttern die Kinder für 1,5 h ab. Ich lag dann meistens im Bett und versuchte mich irgendwie zu erholen. Abends war ich so fertig, dass ich sehnlichst auf 22 Uhr wartete. Denn dann übernahm die Nachtschwester. Das bedeutete, man durfte das Baby in der Nacht abgeben und endlich schlafen gehen.


Antidepressiva, Abstillen und Austritt

Bereits in der ersten Woche in der Klinik drängten mich die Ärzte, dass ich abstillen sollte. Denn offenbar war es nicht üblich, dass die stationierten Mütter noch stillten. Zumal ich ab und zu noch ein Benzo bekam und nun mit Antidepressiva hochdosiert werden sollte. Mein Ex war vehement dagegen, wenigstens 4 Wochen sollte ich durchhalten. Und ich genoss ja auch irgendwie diese innige Verbundenheit mit dem Baby beim Stillen. Andererseits erholte ich mich aber nicht, weil ich ja Nachts weiterhin den Wecker (nach jeweils vier Stunden) stellen musste, um Milch abzupumpen und sie dann wegzuschmeissen.

Nach zwei schlimmen Wochen in der Klinik setzte ich mich gegen meinen Ex durch. Mini war jetzt 4 Wochen alt und ich begann Antidepressiva zu nehmen und stillte ab. Beim Abstillen kam ich mir ein wenig allein gelassen vor, aber es klappte irgendwie. Sowieso war ich - verständlicherweise - in dieser Zeit sehr unglücklich. Fühlte mich erschöpft und hatte mit meinem schlechten Gewissen zu kämpfen, dass Mini die ersten Wochen seines Lebens in einer Klinik verbringen musste. Dies teilte mir mein Ex dann auch mehrfach mit, dass ich ja schuld sein, wenn Mini einen (Dach-)schaden bekommen würde, weil er die ersten paar Lebenswochen in einer Psychiatrie verbracht habe.

Meine Tage in der Klinik verbrachte ich grösstenteils mit meinem Baby. Ich ging mit ihm spazieren, trug ihn viel umher und machte all das, was andere Mamas auch machen. Nur Mittags und Nachts gab ich ihn nach wie vor ab. Da Mini ab ca. 17-18 Uhr bis 22 Uhr fast ununterbrochen schrie, verbrachte ich meine Abende damit auf der Station, in den Gängen, im Wohnzimmer, aber auch in meinem Zimmer mit Mini auf dem Arm auf und abzulaufen. Ich versuchte es mit Singen, mit Bauchmassagen und trug ihn stundenlang.

Mein Ex kam meistens einmal am Tag ein bis zwei Stunden vorbei. Meistens gingen wir dann mit Mini spazieren. Da mein Ex durch die Situation und seinen Job auch ziemlich belastet war, hatte er einen cleveren Move gemacht. Er meldete in der Firma die Notwendigkeit zur Pflege Angehöriger an und hatte somit frei. Trotzdem kam er nie viel länger, denn er müsse sich erholen, sagte er. Ich fand das ziemlich sch*** und auch falsch, denn schliesslich pflegte er mich nicht. Ich war ja in der Klinik. Aber ich war so mit dem Baby und mir beschäftigt, dass ich nicht weiter insistierte.


Nach 6 Wochen in der Klinik war ich soweit wieder hergestellt, dass ich nachhause gehen konnte. Mein Ex hatte noch einige Wochen frei, so dass wir uns bei den Nächten abwechseln konnten. Denn vor den durchwachten Nächten hatte ich am meisten Angst gehabt, denn unser kleiner Minimann war ein Schreibaby (er schrie 5 Monate jeden Abend stundenlang).







Doula - Mehr als eine Begleiterin in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Bei uns ist die Doula (altgriechisch: Dienerin, Sklavin, Magd) als Geburtsbegleiterin weitgehend unbekannt.

Ich selbst hörte eher zufällig von meiner Hebamme davon und beschloss eine Doula als psychische Unterstützung während meiner Schwangerschaft zu engagieren, da mein Partner beruflich sehr eingespannt war und wenig Zeit hatte, mich emotional in der Schwangerschaft zu begleiten. Denn diese war, wie man meinen Posts entnehmen kann, oft mühsam und längst nicht so schön, wie bei anderen Frauen. Hinzu kam, dass ich vor der Geburt gehörig Respekt hatte und vor dem Wochenbett und dem Handling des neuen Erdenbürgers sowieso.

Ich buchte also ein Kombi-Paket, dass einige Treffen vor der Geburt und ihr Dabeisein während der Geburt beinhaltete. Kostenpunkt 1000,- Schweizer Franken. Eine ganz schöne Stange Geld. Ob es sich gelohnt hat? Auf jeden Fall.

Wir sind heute glücklich und dankbar, dass Nicole meinen Partner und mich vor, während und nach der Geburt begleitet hat. Wer meinen Geburtsbericht gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon, warum.

Nicole ist ein einfühlsamer, kompetenter Sonnenschein, der es nicht nur gelang mich während der Schwangerschaft immer wieder zu motivieren, wenn ich Mal wieder die Nase voll von all den Beschwerden hatte, sondern die mich während der Geburt durch die Schmerzen trug und meinen Partner während meines Kaiserschnitts mit Vollnarkose in dieser angespannten Situation emotional zu begleiten.



Sonntag, 18. Dezember 2016

Wie weiter?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich nach der Geburt weiter diesen Blog schreiben soll, oder ob ich es lieber sein lasse. Schliesslich ist mein Sohn jetzt auf der Welt und diese Nabelschau betrifft auch ihn persönlich.

Also lieber nicht mehr schreiben?

Andererseits ist es Mal eine schöne Erinnerung an diese aufregende Zeit. Vielleicht poste ich von nun an in einem anderen Stil, thematisch und nicht mehr chronologisch. Das wäre doch eine Idee.

Es gibt Themen von einiger Tragik, die mich interessieren:
- Wochenbettdepression
- Ist mein Kind gesund?
- Wie ist das Leben mit einem behinderten Kind
- Sternenkinder
- Drei-Monats-Koliken

Aber auch die schönen Dinge dürfen nicht zu kurz kommen
- das erste Lachen
- die erste Drehung
- das erste halbe Jahr
- ...

Mal schauen, wie ich das Ganze umsetze, denn schliesslich hat man als froschgebackene Mutter nur Zeit und Musse zu schreiben, wenn das Baby schläft, oder es sich selbst beschäftigt.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Geburtsbericht: Kaiserschnitt mit Vollnarkose

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Dies können wohl ziemlich viele Gebärende bestätigen. Ich hatte mir ja alles so schön ausgemalt. Hebammengeleitete Geburt, ein "cosy feeling" und eine relativ schnelle, unkomplizierte Geburt.
So weit der Plan.
Leider hält sich das Leben meist nicht an unsere Pläne. Die Geburt von Quappi so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was ich mir so vorgestellt habe.


Vorwehen? Scheisse, tut das weh

Der errechnete Entbindungstermin war der 29. September, aber bereits am Donnerstag 15. September und Freitag 16. September begann ich zu "zeichnen", ein erstes Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Wehen nicht in Sicht. Samstag Abend/Nacht (17.9.) begannen dann die sogenannten Vorwehen. Warum die Vorwehen heissen, weiss der Teufel, sie taten schon gut weh - so wie starke Periodenschmerzen - waren aber noch einigermassen aushaltbar mit Dafalgan. Die Schmerzen kamen unregelmässig so alle 15 bis 20 Minuten, so dass ich kaum ein Auge zutun konnte. Also habe ich um 3 Uhr morgens meinen Liebsten geweckt und wir sind ins Spital gefahren.

Dort angekommen empfing uns eine ziemlich gestresste, sehr unfreundliche Hebamme, die mich eine halbe Stunde ans CTG anschloss und bei dessen Begutachtung meinte, sie wisse auch nicht, warum immer alle Schwangeren so früh kämen. Es würde unter der Geburt dann schon noch anders weh tun
... Der Muttermund war noch gar nicht verkürzt und so weit hinten, dass sie ihn nicht ertasten konnte. Dann hat die gute Frau uns um 5 Uhr morgens wieder heim geschickt und ich habe so ab 7 Uhr bis etwa 11 Uhr schlafen können.

Den ganzen Samstag 17.9. hatte ich weiterhin alle 15 bis 20 Minuten Vorwehen, abends und in der Nacht wurden die Wehen dann immer stärker und wirklich schmerzhaft. An Schlaf war nicht zu denken. Am Sonntagmorgen 18. September um 5 Uhr morgens hielt ich es nicht mehr aus und weckte meinen Liebsten der nur meinte: "Bist Du sicher? Das ist doch bestimmt wieder falscher Alarm. Das dauert bestimmt noch ein paar Tage." Ich bestand aber darauf erneut ins Spital zu fahren. Dieses Mal empfing uns eine sehr freundliche Hebamme, die mich wieder ans CTG anschloss und das Ergebnis mit den Worten kommentierte "Herzlichen Glückwunsch. Sie sind unter der Geburt." 


Unter der Geburt oder doch nicht?

Also bezogen wir den Kreissaal. Einen riesengrossen Raum mit Badewanne, Bett, Geburtsliege, Seil zum Dranhängen, Geburtsball ... Zu diesem Zeitpunkt war der Muttermund bereits 3 Zentimeter offen und ich ziemlich erledigt weil ich wegen der Wehen eine Nacht nur 5 Stunden und in der zurückliegenden Nacht gar nicht geschlafen hatte. Die folgenden Stunden passierte nicht viel, wir frühstückten und gingen spazieren, um die Wehen anzukurbeln. Ich war total erschöpft. Deshalb entschied die Hebamme gegen Mittag mir ein Opiat zu geben, damit ich Mal zwei oder drei Stunden schlafen und mich etwas erholen könne. Daraufhin lag ich mit einem Riesenflash im Kopf auf der Liege im Kreissaal, an Schlaf nicht zu denken. Sehr unangenehm. 

Am späten Nachmittag, nach zwei Stunden Pause dann die Diagnose: Geburtsstillstand und die Frage, was machen wir jetzt? Ich hatte die Wahl wieder nach Hause zu gehen und am nächsten Tag wiederzukommen, oder aber die Geburt mit einem Wehentropf weiter anzukurbeln. Da ich wusste, dass ich daheim wieder kein Auge zumachen würde, entschied ich mich für den Wehentropf, an dem ich um 20 Uhr angeschlossen wurde.


Bis die Fruchtblase platzte ...

Daraufhin leistete ich einige Stunden Wehenarbeit nur mit Hilfe von Buscopan, die die ärgsten Schmerzen ein bisschen lindern sollten. Ich gab mich ganz in die Hände der Hebamme und meiner Doula, die uns die ganze Zeit tatkräftig unterstützt und mir dabei geholfen hat während der Wehe richtig zu atmen. Das ist nämlich gar nicht so einfach, hilft aber den Schmerz durchzustehen. Sie versuchten mich zu massieren, was ich aber gar nicht vertrug, da ich so Schmerzen im Rücken hatte. Ich probierte verschiedene Positionen auf dem Bett und dem Geburtsball aus. Mehrere Stunden vergingen, mein Liebster sass die ganze Zeit auf einem Stuhl in der Nähe und sah uns drei Frauen hilflos dabei zu, wie wir uns abrackerten. Denn die Hebamme und meine Doula fieberten mit mir mit und unterstützten mich tatkräftig. Schliesslich, es muss gegen 0 bis 1 Uhr morgens gewesen sein, nach einer besonders heftigen Wehe, platzte meine Fruchtblase mit einem lauten Geräusch und entleerte sich vollständig.

Der Befund: Muttermund 9 Zentimeter offen. Ich total fertig und dann begannen auch noch die Herztöne von Quappi abzufallen, wenn ich mich bewegte. Also wurde ich angewiesen mich auf die linke Seite zu legen, wo ich weiterhin die heftigen Wehen veratmete. Eine Ärztin wurde gerufen. Sie untersuchte mich, man diskutierte und empfahl mir schliesslich gegen 1:30 Uhr eine PDA, da ich total kaputt und das Kind gestresst sei. Die Hebamme wollte versuchen, mich langsam hin und her zu wiegen und Quappi so ins Becken zu schaukeln, dort war er nämlich noch nicht von selber hineingerutscht. Wir stimmten zu, da ich fix und alle war. 


PDA, Spinalanästhesie und was noch?

Also betrat ein Team von zwei Anästhesisten mit Schläuchen und allerlei Gerätschaften den Raum. Ich musste ein Formular unterzeichnen und weiterhin ruhig auf der linken Seite liegen, wegen der schlechten Herztöne des Babys. Die Anästhesisten waren jung und schienen schlecht organisiert, darüber hinaus war eine noch ziemlich schnippisch. Dass mein Grossvater als Bluter gestorben ist, schien die jungen Ärzte nervös zu machen, sie sagten, sie hätten nur einen Versuch. Also legten sie die PDA, was ziemlich schmerzhaft war, zumal ich gerade eine ziemlich heftige Wehe hatte, als die junge Ärztin stechen wollte.
Danach fragten sie mich, ob sich ein Instrument an unterschiedlichen Körperstellen unterschiedlich kalt auf meiner Haut anfühle. Ich war ziemlich beduselt von der PDA und konnte kaum einen Unterschied feststellen, auch hatte ich im Bauch und in den Beinen weiterhin Gefühl. Fazit: Die Anästhesie hatte die PDA nicht richtig gelegt, traute sich aber auch nicht einen zweiten Versuch zu machen.

Nun kamen zur Hebamme, zur Doula und zum Anästhesieteam noch eine Assistenz- und die Oberärztin und man beratschlagte was zu tun sei. Ich lag weiterhin beduselt auf der linken Seite und veratmete Wehen. Plötzlich kam mein Liebster und sagte, dass die Oberärztin einen Kaiserschnitt empfehle. 

Anscheinend hatte es auf dem Gang Diskussionen zwischen der Hebamme und der Oberärztin gegeben, was ich in meinem desolaten Zustand gar nicht mitbekommen hatte. Die Doula und die Hebamme versuchten mir den Kaiserschnitt auszureden, mein Freund riet mir dazu. Da man nicht wusste, wie lange die Austreibungs- und Pressphase dauern würden (man rechnete mit 6 bis 8 Stunden), und ich mit den Kräften total am Ende war, stimmte ich einem Kaiserschnitt zu.

Kaiserschnitt mit Vollnarkose

Zuerst musste ich nun wiederum ein Formular unterschreiben, dann wurde es auf einmal hektisch. Verkabelt wie ich dank CTG und PDA war, sollte ich mich auf eine andere Liege hieven, was mit dem dicken Bauch und dem benebelten Kopf gar nicht so einfach war. Dann schob man mich in den OP, wo ich wiederum auf eine andere Liege klettern musste. Die Stimmung war angespannt und hektisch. Eine Frau begann mich zu rasieren, eine andere spritzte mir eine Spinalanästhesie in das PDA-Röhrchen, was nach wie vor in meinem Rücken steckte. Und ich musste - wie übrigens bereits in der Schwangerschaft und verstärkt auch unter der Geburt - immer wieder so heftig aufstossen, dass ich kaum Luft bekam. Und nun sollte ich flach ausgestreckt liegen, was ich während der gesamten Geburt vermieden hatte. Da bekam ich kurz Panik, dass ich keine Luft bekäme, weil der geblähte Bauch die Atmung blockierte.

2 Uhr morgens: Das OP-Team zeigte sich unerbittlich, obwohl ich bettelte den Kopf höher legen zu dürfen, damit ich besser Luft bekäme. Ich musste aber weiterhin flach ausgestreckt liegen. Dann kam die junge Anästhesistin wieder mit Ihrer Frage: Spüren Sie hier und hier einen Temperaturunterschied? 

Vielleicht fühlte ich einen kleinen Unterschied? Oder doch nicht? Ich konnte nichts Genaues sagen, worauf mich ein Anästhesist anpflaumte, dass ich schon etwas Konkretes sagen müsse. Daraufhin sagte ich, obwohl ich ziemlich benebelt war, sie sollten doch Mal etwas anderes ausprobieren, als immer die "warm-kalt"-Frage. Ich könne nichts Genaues sagen. Dann kratzte jemand über meinen Bauch, dort wo geschnitten werden sollte. Ich spürte dies stark und sagte das auch. Dann hörte ich nur noch wie jemand sagte: Nun atmen sie ein paar Mal tief in die Maske ...

Am 19.9.2016 um 3:54 Uhr kam unser Sohn auf die Welt, ohne, dass ich es mitbekam.

Einige Stunden später, es musste so gegen 6 Uhr morgens gewesen sein, wachte ich auf. Ich lag in einem Bett und viele Personen standen um mich herum. Ich wusste zuerst nicht wo ich war, wer die ganzen Leute waren und was passiert war. Ein sehr unangenehmes Gefühl, zumal ich von der Mehrfachnarkose (PDA, Spinatanästhesie, Vollnarkose) noch ziemlich daneben war. Mein Liebster hatte ein Baby auf dem Arm, neben ihm standen die Doula, die Hebamme und die Oberärztin. Langsam versuchte ich mit meinem vernebelten Verstand herauszufinden, was passiert war. Zudem musste ich wieder heftig Aufstossen und mich Erbrechen. Wiederholt bekam ich kaum Luft. 

Dann langsam sickerte die Erinnerung in mein Bewusstsein. Mein Freund hatte unseren Sohn auf dem Arm. Unseren Sohn, dessen Geburt ich nicht mitbekommen hatte, weil man mich - ungeplanter Weise - unter Vollnarkose operiert hatte. Ich redete wohl ziemlichen Stuss, bald verabschiedeten sich alle, inklusive meinem Partner, den die ganze Nacht auch sehr geschlaucht hatte. Er müsse schlafen. Bei mir blieb die Doula, die anscheinend meinen Liebsten sehr gut betreut hatte, als er während meiner OP warten und nachher das Baby auf den Arm nehmen durfte, woraufhin alle Emotionen aus ihm herausbrachen und er Rotz und Wasser heulte, so doll, dass es ihn regelrecht durchschüttelte. Ihn hat die ganze Geburt emotional fast mehr mitgenommen als ich, weil er nur Zuschauen konnte, sich überhaupt nicht auf das Thema Geburt vorbereitet hatte und sich wohl sehr hilflos vorkam. Er sagte mir später, er habe Angst um mein Leben gehabt.


Benebeltes Bonding

Schliesslich gingen alle aus dem Zimmer und ich blieb mit der Doula und meinem Sohn allein in dem Zimmer. Sie legte ihn mir auf die Brust und ich versuchte ihn trinken zu lassen, was aber nicht auf Anhieb gelang. Ein ganz besonderer Augenblick, den ich trotz meines desolaten Zustandes auch als einen solchen wahr nahm. 

Dann erfuhr ich, dass unser Kleiner die Nabelschnur zwei Mal um den Hals gewickelt hatte, und sich wohl nach dem Platzen der Fruchtblase selber strangulierte, deshalb die schlechten Herztöne.

Morgens um 8 Uhr wurde ich schliesslich auf Station geschoben, die Doula ging nach Hause und ich dümpelte in meinem Spitalzimmer vor mich hin. Keine Ahnung, ob ich schlief, oder döste oder einfach nur wach war ...

Mittwoch, 31. August 2016

Woche 35+5: Mein Geburtsplan und die tollsten Schwangerschaftsbeschwerden

Mein Riesenbauch in der 36. SSW, Gewichtszunahme plus 11 kg, Bauchumfang plus 19 cm.
Baby: 46 cm, 2730 gr.
Das Triemli Spital in Zürich bietet etwas ganz Tolles an, die hebammengeleitete Geburt. Ein Modell, in dem Ärzte nur im Notfall mit in die Geburt einbezogen werden. Das heisst mehr Geburtshaus-Atmosphäre, keine technischen Geräte im Kreisssaal, weniger Geburteinleitungs-Zeitstress, keinen Venenzugang, keine .pda!

Man bekommt eine Hebamme zugeteilt, die während der ganzen Geburt bei einem bleibt. Kein ständiger Schichtwechsel wie bei einer normalen Geburt. Ausserdem habe ich ja meinen Liebsten und eine Doula dabei. Ich bin optimistisch, dass mir das bei einer natürlichen Geburt hilft. Und wenn ich doch irgendwann nach einer pda schreie, oder ein Arzt gebraucht wird, dann habe ich die komplette Infrastruktur im Triemli. Also quasi das Beste aus zwei Welten.

Ausserdem übe ich Geburtsmeditationen, mache all den Vorbereitungsquatsch, den man so machen soll (Heublumensitzbad, Epi-no, Massage von gewissen Stellen, Himbeerblättertee trinken ...).

Mal schauen, ob es etwas bringt.

Ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht schon einen Geburtsplan zurechtgezimmert und allen relevanten Stellen abgegeben hätte. Ich versuche mir die Geburt so angenehm wie möglich zu gestalten und bin gespannt, wie es dann tatsächlich wird ...

Mein Geburtsplan

Bei der Einlieferung
- Ich würde gerne auf den direkten Venenzugang am Anfang der Geburt verzichten, falls möglich

Umgebung 
- Falls möglich hätte ich gerne gedämpftes Licht.
- Ich hätte lieber ein Einzelzimmer im Krankenhaus (bereits bezahlt)
- Ich hätte gerne eine Hebammengeburt, Ärzte nur im Notfall
- Ich hätte lieber eine Frau als Ärztin oder Hebamme. 
- Ich möchte mein Kind im Krankenhaus zur Welt bringen.
- Ich würde bei der Geburt gerne Musik hören.
- Ich würde gerne meine HypnoBirthing Techniken versuchen einzusetzen.
- Ich hätte gerne eine Badewanne zur Verfügung

Begleitung
- Ich habe bei der Geburt eine Begleitperson/eine Doula dabei.
- Ich hätte gerne, dass mein Partner oder meine GeburtsbegleiterIn(nen) bei der Geburt bei mir sind. 
- Ich möchte nur meinen Partner, Krankenschwester, Doula und Hebammen mit im Zimmer haben. Arzt im Notfall, oder, wenn ich eine .pda wünsche
- Ich will nicht, dass Studenten oder anderes Krankenhauspersonal mit im Zimmer sind. 
- Ich wünsche mir, dass mein Partner meine Wehen zählt und protokolliert. 

Monitoring
- Ich möchte lieber keine kontinuierliche (CTG) oder interne Überwachung, nur wenn es nötig ist.

Fotos & Videos 
- Ich möchte, dass während der Geburt KEINE Fotos oder Videos aufgenommen werden, egal in welcher Phase, ausser ich entscheide es in der Situation anders.
- Ich wünsche mir, dass nach der Geburt ein Video aufgenommen wird (Max Handykamera)
- Ich wünsche mir, dass nach der Geburt Fotos gemacht werden.

Induktion
- Falls nötig, bin ich mit einer Öffnung der Fruchtblase zur Geburtseinleitung einverstanden.
- Ich würde lieber zuerst natürliche Methoden zur Geburtseinleitung verwenden. 

Schmerzmittel
- Bitte bieten Sie mir keine Schmerzmittel an, ausser auf meine ausdrückliche Bitte hin, dann aber hätte ich gerne das, was am Effektivsten wirkt. 

Dammschnitt und Pressen
- Ausser im Notfall möchte ich einen Dammschnitt lieber vermeiden.
- Ich habe Dammmassage geübt und mit einem Epi-no trainiert, um einen Dammschnitt zu vermeiden.
- Ich würde gerne Anweisungen erhalten, wann ich pressen muss und wann nicht, um einem Dammriss vorzubeugen. 

Während den Wehen 
- Ich möchte gerne essen und trinken können, wenn mir danach ist.
- Ich möchte mich gerne frei bewegen oder herumlaufen können.
- Ich möchte nicht, dass Hebammen in der Ausbildung oder Medizinstudenten bei der Geburt anwesend sind.
- Ich würde gerne verschiedene Geburtspositionen ausprobieren.
- Man soll mich bitte daran erinnern, regelmässig zu trinken und auf die Toilette zu gehen
- Ich möchte gerne die Möglichkeit haben, zur Entspannung und während der Geburt zu baden     

Kaiserschnitt/Operation
- Bitte führen Sie keine Hysterektomie durch, ausser dies ist die einzig mögliche lebensrettende Maßnahme.
- Falls möglich, möchte ich einen Kaiserschnitt lieber vermeiden.
- Ich hätte gerne, dass mein Partner oder meine GeburtsbegleiterIn(nen) bei einem Kaiserschnitt bei mir sind.
- Sollte ein Kaiserschnitt unumgänglich sein, würde ich dabei lieber bei Bewusstsein bleiben.
- Sollte ich einen Kaiserschnitt brauchen, würde ich gerne eine zweite Meinung angeboten bekommen. 

Geburt 
- Ich möchte meine Geburtsposition gerne selbst festlegen können. 
- Ich würde gerne Anweisungen erhalten, wann ich pressen muss und wann nicht, um einem Dammriss vorzubeugen. 

Nach der Geburt
- Sollte es einen Notfall geben, so wird mein Partner bei demjenigen bleiben, der der Notfall ist. Beim anderen wird die Doula bleiben
- Falls möglich, möchte ich keine CordTraktion, SyntocinonInjektion oder manuelle Entfernung der Plazenta, ausser im Notfall.
- Falls möglich, möchte ich nicht nach der Geburt von meinem Baby getrennt werden.
- Wir hätten nach der Geburt gerne so schnell wie möglich Hautkontakt und Zeit, mit dem Baby eine Bindung aufzubauen.
- Ich möchte gerne in einem Einzelzimmer untergebracht werden und allenfalls ein Klappbett für meinen Partner haben (Einzelzimmerzuschlag bereits bezahlt)
- Ich würde das Kind in der Nacht gerne einige Stunden an die Betreuer abgeben, um mich ausschlafen zu können, es sei denn ich entscheide mich spontan dagegen

- Nabelschnur 
- Ich möchte, dass das Nabelschnurblut in eine private Nabelschnurblutbank kommt. Den Koffer haben wir dabei
- Mein Partner oder meine Doula dürfen die Nabelschnur durchtrennen 

Stillen
- Ich hätte gerne Hilfe, wenn ich mein Baby zum ersten Mal stille.

100 000 Schwangerschaftsbeschwerden & das Gefühl zu platzen

Und mein frustrierter Post von letzter Nacht, als ich nicht schlafen konnte. Auch dies gehört zu meiner Schwangerschaft dazu, auch wenn es mir heute schon wieder gut geht und ich darüber lächeln kann ...

Aber lest selbst, wie es einem in den letzten 4 Wochen vor der Geburt manchmal so geht. ;-)

Vielleicht sollte ich jetzt nicht gerade posten, jetzt wo ich Mal wieder wie ein Gaskraftwerk am Aufstossen bin und deshalb nicht im Bett liegen, geschweige denn schlafen kann. Überhaupt ist die Schwangerschaft seit ungefähr einer Woche überhaupt kein Spass mehr...

Eigentlich sollte ich doch Positives schreiben aber so fühle ich mich gerade gar nicht. Denn es ist 23 Uhr, ich bin todmüde, sitze mit zwei Kissen im Rücken leicht vorne über gebeugt vor dem Laptop, damit ich Luft kriege, mein Bauch hat die Grösse eines Medizinballs und ich leider seit einer halben Stunde an Daueraufstoss. Das ist wie Saueraufstoss nur ohne Magensäure und anhaltend.

Darüber hinaus habe ich schwere, kribbelnde, heisse Unterschenkel und Füsse, mir tun die Hüften weh, es juckt mich überall und nun ist durch die Rülpserei noch das Kind aufgewacht und meint in meinem Bauch Bambule machen zu müssen.

Mit seinen Händchen grümschelt er in der Höhe meines Schambeins herum, links hat er seinen Kopf auf meine Blase gebettet, so dass ich meine alle 2 Minuten aufs WC zu müssen, in der Mitte drückt sein Hintern, oder Rücken oder Bauch meinen Bauchnabel fast nach draussen und rechts strecktt er seine Beine, oder Knie oder Füsse so weit von sich, dass sich mein ganzer Bauch schief und krumm verformt. Die Bewegungen haben eine solche Intensität, dass ich nur darauf warte, dass mein Bauchnabel zuerst aus mir rausploppt und er dann mit seinen Händen meine Bauchdecke aufreisst und wie in einem Horrorfilm aus meinem Bauch krabbelt. Mein Bauch ist bis zum Bersten gespannt, und teilweise sind die Bewegungen des kleinen Quälgeistes ziemlich schmerzhaft. Leider.

Wie ein Hündchen drückt sich mein Baby an die Bauchdecke

Quappi ist wie ein verschmuster Hund, der sich von innen heftig an den Gartenzaun aka an meine Bauchdecke drückt, wenn ich ihn von aussen streichle. Aber manchmal zieht er dann auch das gerade genüsslich gestrickte Körperteil schnell wieder ein. Vielleicht erschrecke oder kitzle ich ihn dann. Wer weiss.

Aber das sind leider noch nicht alle Beschwerden, denn nachts habe ich Krämpfe in den Beinen, muss 4 bis 5 Mal in der Nacht aufs WC und kann teilweise stundenlang nicht mehr einschlafen. wenn das so weitergeht, bin ich schon vor der Geburt total übernächtigt. Ausserdem schnaufe ich bei der kleinsten Anstrengung, habe Sodbrennen und werde von plötzlichen Müdigkeitsanfällen geplagt.

Gott sei Dank hat meine Ärztin letzten Freitag ein Einsehen und hat mich nun 100 Prozent krank geschrieben, was nicht üblich ist in der Schweiz, denn einen gesetzlichen Mutterschutz vor der Geburt gibt es hier nicht, aber dennoch häufig praktiziert wird. Mittlerweile weiss ich auch warum ...

Ich glaube die Natur hat das mit den 1000 Wehwehchen extra so eingerichtet, damit man sich die Geburt - die ja nicht gerade ein angenehmer Vorgang ist - herbeisehnt. Und so geht es auch mir langsam.

Ich freue mich darauf bald endlich mein Baby im Arm zu halten, anzuschauen und zu berühren. Auch, wenn ich vor der Geburt und der ersten Zeit danach einen Heidenrespekt habe.

Nicht nur wegen der Verantwortung einen hilflosen kleinen Menschen zu versorgen, sondern vor allem wegen dem Schlafmangel und der stetigen Dauerbelastung. Ich denke es wird eine sehr harte, aber auch eine sehr intensive Zeit. So nah wie eine Mutter einem Ungeborenen bwz. Neugeborenen ist, ist man vermutlich nie wieder.

Aber wir werden das schon packen! Sind ja nicht die ersten Eltern auf der Welt. Hauptsache ist jetzt, dass das Baby gesund auf die Welt kommt und ich die Geburt und das Wochenbett gut überstehe.

Freitag, 12. August 2016

33. SSW: Mein hormonelles Hoch

Wer hätte es gedacht, dass es mich in dieser Schwangerschaft doch noch ereilt, das hormonelle High? Aber jetzt ist es endlich soweit: Ich bin ein glücklicher, schwangerer Kugelfisch.
Mein Babybauch, Zürich Mama, 32. SSW
Ein lebendiger Buddha - 32. SSW.

Mein Bauch ist riesig, die Schwangerschaftsbeschwerden nehmen weiter zu, ich kann nachts nicht richtig schlafen, ich kriege nach dem Essen nicht richtig Luft, ich bewege mich langsamer und langsamer, aber ich bin trotzdem happy. Woran das wohl liegen mag?

Mein Babybauch 34. SSW, Zürich Mama
Riesenkugel

  • 33. SSW
  • + 16 Zentimeter Umfang
  • + 10 kg Gewicht
  • Baby: 43 cm und 2050 g


Vielleicht liegt es daran, dass mein Liebster langsam realisiert, dass er in +/- 6 Wochen Vater wird. Lange Zeit hat er sich in seine Arbeit vergraben und das Thema Baby weit von sich weg geschoben und nun wird er langsam aktiv. Er baut Möbel fürs Babyzimmer zusammen, er streicht und lackiert unseren Wickelaufsatz (natürlich mit babyfreundlicher Farbe), er überlegt mit mir gemeinsam, wie wir die Babysachen am Besten in unserem kombinierten Arbeits-/Babyzimmer aufstellen und er streichelt meinen Bauch viel öfter als bisher. Denn kann man aber jetzt auch beim besten Willen nicht mehr übersehen ...

Zürich Mama, 33. SSW, Babybauch
Mein Schatten in der 33. SSW.

Ich liebe meinen Bauch 


Es mag auch daran liegen, dass ich abends plötzlich mehr/ andere Sachen essen kann, ohne zu explodieren. Die letzten vier Wochen habe ich mich hauptsächlich von gekochten Kartoffeln mit Salz ernährt, aber seit etwa sieben Tagen scheine ich auch wieder andere Dinge zu vertragen, d.h. ich kann wieder relativ normal Abendessen ohne, dass ich mich in ein Gaskraftwerk verwandle, oder das Gemampfte wieder von mir geben muss. Ich habe das Gefühl meine Kugel ist schon ein wenig nach unten gerutscht, obwohl ich bis jetzt fast noch keine Vorwehen hatte (die ein bis zwei Mal nach dem Schwimmen im See und die halbe Stunde Bauchkrämpfe vor zwei Wochen kann man kaum dazuzählen).

Egal, ich bin auf jeden Fall momentan der glücklichste Walfisch auf Erden! Offensichtlich strahle ich auch. Lustig, bereits vor 4 bis 6 Wochen haben alle gesagt, ich würde so toll und glücklich aussehen, regelrecht aufblühen, nur habe ich damals noch nicht viel davon gemerkt.

Ausserdem bin ich ein kleiner Bauchfetischist. Ich kann meine Finger einfach nicht von meiner enormen Wampe lassen, ständig muss ich mein "Bäuchlein" streicheln, meine Finger darauflegen, oder es irgendwie berühren.

Kräftige Tritte ab der 30. SSW


Unser kleiner Sohn macht sich aber mittlerweile auch sehr stark bemerkbar. War es anfangs noch ein leichtes Flattern, dann das Gefühl von normalen Bewegungen, so meine ich inzwischen manchmal, dass Quappi mir gleich den prallen, straff gespannten Bauch aufreisst und wie in einem Horrorfilm daraus hervorgekrochen kommt. Er drückt sich manchmal so stark mit seinem Po, Arm oder Bein an der Gebärmutterwand ab, dass mein Bauch total schief ist und sich an einer Stelle ausbeult. Manchmal zuckt der ganze Bauch wie bei einem Erdbeben. Manchmal ist es auch recht unangenehm, teilweise sogar ein wenig schmerzhaft (nicht schlimm) wenn er sich direkt am Beckenboden (also ganz tief unten) bewegt, oder in der Nähe meines Bauchnabels. Ich warte jeden Tag darauf, dass es "Plopp" macht und mein Bauchnabel wie eine geöffnete Flasche Flensburger mit diesem typischen "Flens"-Ton aus mir herausploppt. Es hat ihn nämlich noch nicht herausgedrückt, obwohl das Löchlein immer kleiner und kleiner wird, je mehr der Bauch wächst. Wiegt halt doch schon knapp 2,5 kg der kleine Racker und hat dementsprechend Kraft.

Aber ich will nicht motzen, schliesslich liegt der Kleine bereits seit dem 7. Monat brav mit dem Kopf nach unten. Das Köpfchen liegt manchmal auf der linken Seite auf der Höhe meiner Blase, manchmal rechts. Woher ich das weiss? Am Schluckauf, den mein kleines Baby mittlerweile 3 bis 4 Mal am Tag hat. Das fühlt sich so lustig an und mittlerweile spürt man es sogar. Hicks, macht der Kleine dann minutenlang. Hicks, Hicks, Hicks.

Zürich Mama, 33. SSW, Babybauch und Brüste
Brüste und Bauch
Ich freue mich sehr auf unser Baby und ich kann es kaum abwarten, bis wir den Kleinen - hoffentlich gesund - in unseren Armen halten. Schlimmstenfalls muss ich noch 8 Wochen aushalten. Im Triemli Spital, in das ich gehe, lässt man die Frauen höchstens 14 Tage übertragen, dann wird die Geburt eingeleitet.

Vor der Geburt habe ich eigentlich gar nicht so Angst, obwohl ich mir inzwischen einige Geburtsvideos angeschaut habe. Die Schmerzen müssen unfassbar stark sein. Die Geburt eines der krassesten Erlebnisse im Leben eines Menschen. Ein Urerlebnis in einer Intensität, die wir modernen Menschen sonst nur bei einer schweren Verletzung oder im Drogenrausch erleben. Und am Ende flutscht ein lebendiger kleiner Mensch aus einem heraus. Verrückt und unfassbar. Ein kleines Wesen, das fortan für immer zu einem gehört. Ich habe bei jedem einzelnen Video geheult wie ein Schlosshund.

Wochenbett-Angst


Vielmehr Respekt als vor der Geburt, habe ich vor der ersten Zeit mit Baby: Vor dem wunden Körper, dem schlaffen Bauch, den schlaflosen Nächten und der ständigen Verfügbarkeit. Diese erste Zeit hat schliesslich schon so Manchen physisch und psychisch an den Anschlag gebracht und ich vertrage Schlafmangel und fehlende Pausen in der Regel nicht so besonders gut. Bin dann schnell weinerlich und fühle mich elend. Allerdings schlafe ich schon jetzt keine Nacht mehr durch - entweder ich muss Pipi, oder mir tut die linke/rechte Hüfte so weh, dass ich mich und meinen Bauch jeweils ganz vorsichtig und langsam auf die jeweils andere Seite hieve. Zu Beginn und im letzten Drittel der Nacht baue ich mir eine Kissenburg, so dass ich fast im Sitzen schlafe. Also eigentlich nicht gerade erholsam, aber ich stecke es erstaunlich gut weg. Das müssen die Super-Schwangerschaftshormone sein, die sich hoffentlich nach einem ersten möglichen Einbruch am berüchtigten 3. Tag nach der Geburt in Super-Mami-Hormone wandeln...

Allerdings habe ich mir auch schon einen Plan für den "worst case" - die Wochenbettdepression - zurechtgelegt. Ich habe mir Adressen von Hilfseinrichtungen herausgesucht, habe meine und die Familie meines Liebsten gefragt, ob sie im Zweifel kommen würden und ich habe mich sogar über geeignete Antidepressiva informiert. Aber soweit muss es ja gar nicht kommen. Vielleicht stecke ich das ja alles viel besser weg als befürchtet und habe gar keinen krassen Babyblues. Meine Mutter und meine Schwester hatten gar keinen Gefühlseinbruch als es soweit war, sagen sie zumindest. Da stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich auch gut durch die ersten Wochen komme.

Schwangerschaftsbeschwerden im 3. Trimester


Und hier noch - nur der Vollständigkeit halber - die Schwangerschaftsbeschwerden, die ich dank Hormoncocktail momentan so gut ertrage:
- Nach wie vor Aufstossen nach dem Essen
- Nach dem Essen teilweise Übelkeit, wenn ich zu viel gegessen habe
- Dann Atemnot und Druck auf die unteren Rippenbögen. Dann muss ich mich vorne überzeugen, sonst wird's mir schlecht und schwindelig
- Mittlerweile fast ständig das Gefühl der Bauch platzt demnächst
- Nachts Hüftschmerzen links und rechts
- Am Morgen Schmerzen im unteren Rücken (Ischias)
- Beim Laufen Hüft-, Becken- und Schambeinschmerzen
- Nachts teilweise kribbelnde Beine und Krämpfe in den Unterschenkeln (vor allem wenns warm draussen ist)
- Sodbrennen, vor allem abends
- das unstillbare Verlangen nach Süssigkeiten (ich habe nicht umsonst in den letzten 4 Wochen 2,5 kg zugenommen)

Ist doch kein Wunder, dass es mir momentan so gut geht, oder?!?


Sonntag, 3. Juli 2016

28. SSW: Das letzte Trimester beginnt

 Ich melde mich hier aus dem schönen Andalusien, wo ich eine Woche Wellness-Ferien ohne Kind geniesse. Wahrscheinlich das letzte Mal für lange Zeit!

Wehwehchen en masse

Ich bin jetzt Ende der 27. SSW, jetzt fängt offiziell das letzte und offensichtlich mühsame Trimester an. Und tatsächlich: Die Wehwehchen, die mich plagen, nehmen zu. So habe ich jetzt nicht nur öfter  Schulter- und Rückenschmerzen, sondern mir tut beim Liegen die linke Hüfte weh und die Rippenbögen. Anscheinend alles ganz normale, harmloser Symptome, die aber nichts desto trotz echt mühsam sind. Das Aufstossen nach dem Essen teilweise bis zum Erbrechen ist auch nicht besser geworden, aber daran habe ich mich schon fast gewöhnt. Nun ja, vielleicht hilft es mir nicht ganz so viele Kilos zuzunehmen, die man danach wieder mühsam  abtrainieren muss. Ansonsten wächst mein Bauch täglich & Quappi nimmt schön an Gewicht zu! Schuhe binden wird mühsam, ebenso wie das Aufstehen aus dem Bett oder aus einem niedrigen Sessel. Wie muss das erst mit Zwillingen sein?!?

Hier ist es sehr schön, leider vertrage ich die Hitze nicht so gut. Aber meine super Stützstrümpfe (wer hätte gedacht, dass ich das Mal über die hässlichen Dinger sagen würde) helfen extrem. Nass geduscht sind sie (wenigstens für kurze Zeit) eine Top-Klimaanlage! Und auch sonst finde ich die Dinger super. Meine Beine sind damit viel weniger schwer und kribbeln abends im Bett nicht so.

Ja, ich habe einen Haufen Wehwehchen, und ich bin ganz schön wehleidig manchmal. Ich bewundere wirklich Frauen, die entweder wesentlich besser mit den ganzen Unannehmlichkeiten umgehen können als ich, oder, die vielleicht doch einfach weniger nervige Schwangerschaftsbeschwerden haben. Gott sei Dank habe ich nichts wirklich Schlimmes (SS-Diabetes, SS-Vergiftung, dünne Gebärmutterwand, oder was man sonst noch so alles haben kann). Trotzdem nervts. Am meisten knirsche ich mit den Zähnen, wenn andere Mütter sagen, dass man die SS geniessen solle und das "die schönste Zeit in ihrem Leben gewesen sei." Also das kann ich definitiv nicht behaupten.

Ich für meinen Teil bin wirklich, wirklich froh, wenn mein kleiner Sohn gesund und munter auf die Welt gekommen ist. Könnte wegen mir lieber heute als morgen sein! Aber es geht noch drei Monate ...

Vorfreude, Gewitter im Bauch und andere Zappeleien

Auch wenn ich öfter jammere, freue ich mich doch in Tat und Wahrheit sehr ein Kind zu kriegen. Ich merke, dass ich mich schon jetzt wie eine Löwin verhalte, die ihr Kind gegen alles und jeden verteidigen würde und nur das Beste für es will! Es soll ja Schwangere geben, denen alles egal ist, die ganz schiedlich-friedlich werden... Ich gehöre definiv zur anderen Sorte!

Ich streichle meinen dicken Bauch immer öfter, lang und ausgiebig. Ich spüre jetzt häufig, dass Etwas darin ist. Mal zappelt Quappi in der Beckengegend,  Mal um den Bauchnabel herum, und gestern ganz weit rechts schon fast in Richtung Rücken. Das bis dorthin meine Gebärmutter geht? Krass. Ich habe eine Gebärmutterwulst auf beiden Seiten meines Bauches.

Manchmal zuckt mein Bauch heftig, als tobe ein heftiges Gewitter in ihm. Dann hebt und senkt er sich ganz schnell. Wenn ich darüber streichle, fühle ich meinen kleinen Sohn hart darunter. Leider weiss ich nicht, was ich da spüre: ein Knie den Kopf, Ärmchen oder Beinchen. Auf jeden Fall scheint Quappi sich wohl zu fühlen in seiner dunklen engen Behausung. Besonders wenn ich ruhig sitze, oder abends im Bett liege, ob ihm dann langweilig ist, wenn er nicht lustig durch die Gegend geschaukelt wird. Und was macht der eigentlich den ganzen Tag da drin?

 Ist das nicht komisch, plötzlich hat man einen Untermieter. In meinem Bauch, da lebt ein Kind. Ein Mini-Baby an dem schon alles dran ist. Es wächst und wächst und ärgert seine Mama schon jetzt mit dem durch es verursachte Sodbrennen, Aufstossen und mit seinen Tritten. Mittlerweile ist er 35 cm gross und ich habe echt eine RIESIGE KUGEL, die beim Laufen manchmal so schwer auf meinem Beckenboden liegt, dass ich das Gefühl habe, mein kleiner Sohn plumpst nun bald heraus. Ich frage mich, wohin das noch führen soll ... und wo - um Himmels willen - meine Gedärme noch hin wandern sollen.

Am Ende wird Baby-Boy wahrscheinlich etwa 50 cm gross sein & etwa 3,5 kg wiegen (Durchschnittswerte). Oh mein Gott. Wie soll so ein grosses Baby nur in mich hineinpassen?!? Und: Wie soll es da wieder herauskommen???

Jetzt in den Ferien hatte ich Zeit, mich mit meinem Baby-Bauch zu beschäftigen. Und prompt ist er - zumindest gefühlt - um das Doppelte angewachsen. Das muss die andalusische Sonne, die Entspannung und das viele Gemampfe sein ...

Leute, ich habe echt Respekt davor, ein Kind auf die Welt zu bringen. Ein wenig Angst vor der Geburt, und viel mehr Angst vor der Zeit danach.

Aber ich freue mich auch sehr und kann kaum in Worte fassen wie glücklich ich bin, dass ich einen Sohn bekomme. Ein eigenes Kind. Mein eigenes Kind!